Ausgerechnet Donald Trump droht die Ära seines geliebten Erdöls zu beenden
Laut einem neuen Bericht zeigt der Iran-Krieg mit «brutaler
Deutlichkeit», wer anfällig ist auf hohe Ölpreise und wer nicht. Länder,
die früh auf Erneuerbare setzten, stehen heute weniger entblösst da.
Niklaus Vontobel
Auszüge aus einem Artikel von Watson vom 5. April 2026
Ganzer Artikel hier
Die Ära, die da endet, wäre jene des Erdöls; die Ära, die neu beginnt, jene der
erneuerbaren Energien. Oder zumindest könnte Trump mit seinem chaotischen
Vorgehen weltweite Energie-Trends massiv beschleunigen, die bereits zuvor
immer mehr Fahrt aufgenommen hatten.
Schon vor dem Iran-Krieg war das Vertrauen in die USA geschwächt. Dafür
hatte Trump eigenhändig gesorgt. Mit seinen willkürlichen Zöllen. Mit dem
damit einhergehenden Bruch früherer Handelsabkommen. Mit seinem
territorialen Gelüsten in Richtung Kanada und Grönland.
Wenn auf die USA kein Verlass mehr ist, dann ist auch kein Verlass auf den
Garanten der Nachkriegsordnung. Die USA sorgten nach dem Zweiten
Weltkrieg für ein einigermassen stabiles globales Energiesystem, vor allem
basierend auf Erdöl aus dem Nahen Osten. Wenn Trump der Welt sagt, holt
euch euer Öl selbst, dann verabschieden sich die USA von dieser Rolle.
Damit steigt das geopolitische Risiko von Erdöl.
Öl ist dann nicht länger allein eine Gefahr für das Klima. Sondern für die
Energieversorgung, weil ein Land plötzlich zu wenig haben könnte. Für die
Unternehmen, weil ihre Kosten ausser Kontrolle geraten könnten. Für die
Haushalte, weil ihre Lebenshaltungskosten hochzugehen drohen. Für eine
ganze Volkswirtschaft, weil sie in eine Rezession getrieben werden könnte. Kurz, es ist
eine Gefahr für die Sicherheit eines Landes. Damit steigt der Anreiz, nach
Alternativen zu suchen.
Diese Alternativen gibt es. Sie sind nicht einmal mehr teurer als ihre
ölbasierten Konkurrenzprodukte, sondern in der Regel sogar
kostengünstiger. Der Nobelpreisträger Paul Krugman schreibt auf seinem
Substack-Blog von einem «technologischen Wunder».
Dieses «Wunder» wird nachgezeichnet von der Internationalen Organisation
für erneuerbare Energien (Irena), der rund 170 Länder angehören. Irena nennt
das Tempo, mit welchem die Kosten gefallen sind, schlicht «spektakulär».
Die Photovoltaik beispielsweise produzierte ihren Strom schon im Jahr 2024 zu
zehnmal tieferen Gesamtkosten als noch 2010. Mittlerweile können laut Irena
die fossilen Konkurrenten mit kaum einer erneuerbaren Energieform mithalten.
2024 waren rund 90 Prozent der neu in Betrieb genommenen erneuerbaren
Projekte «kostengünstiger als jede fossile Alternative».
Den Gegnern gehen die Argumente aus. Früher konnten sie noch darauf hin
weisen, dass Photovoltaik und Windturbinen vor allem dann liefern, wenn die
Sonne stark scheint oder der Wind bläst. Doch heute sind Batterien in der
Lage, Strom zu zehnmal tieferen Kosten als im Jahr 2010 zu speichern. So wird
es möglich, dass Solar- und Windenergie dann liefern, wenn es die Kundschaft
will und nicht das Wetter.
Dieses «Wunder» erklärt das schon vor dem Iran-Krieg explosive Wachstum der
erneuerbaren Energien. 2025 entfielen auf sie genau 85,6 Prozent der
gesamten neu in Betrieb genommenen Stromproduktion, vorwiegend dank
Wind und Solar. Gegen Jahresende 2025 kamen erneuerbare Energien so auf
einen Anteil von 49 Prozent der weltweit bereits installierten
Stromkapazitäten.
Und das alles geschah, bevor Trump den Iran angreifen liess. Also bevor die
Preise für Rohöl, noch mehr von Benzin und noch weit mehr von Diesel
weltweit stark stiegen. Bevor die Welt rätseln musste, wie hoch dieser laut
Experten «grösste Ölschock aller Zeiten» die Preise noch treiben wird. Und
bevor Trump mit jedem wütenden Truth-Social-Post den Preis für Rohöl – und
damit für die nächste Tankladung – stark rauf- oder runtertreibt.
Inmitten dieses Chaos von Trumps Gnaden zeigt sich laut der Irena die
«strukturelle Widerstandsfähigkeit» der erneuerbaren Energien mit «brutaler
Deutlichkeit». Sie produzieren dezentral und in der Heimat, sind kostengünstig
und sofort einsetzbar. Und wem das nicht deutlich genug ist, bekommt von
Irena-Direktor Francesco La Camera zu hören: «Länder, die in die
Energiewende investiert haben, überstehen diese Krise mit geringeren
wirtschaftlichen Einbussen. »
Die wirtschaftlichen Vorzüge der erneuerbaren Energien haben anscheinend
auch Autofahrer entdeckt. Elektrovehikel bieten ebenfalls einen gewissen
Schutz gegen die Unwägbarkeit des globalen Ölmarktes. Die «Financial Times»
titelt deshalb: «Das Chaos auf dem Ölmarkt wird den Umstieg auf Elektroautos
massiv beschleunigen.»
Elektroautos hätten sich vor dem Krieg zwar nicht so schnell verbreitet, wie es
die Autohersteller einmal gedacht hatten. Doch auch mit diesen
Wachstumsraten hätten sie in anderthalb Jahrzehnten die Benziner vollständig
aus wichtigen Märkten wie der EU und China verdrängt. Seit dem Kriegsbeginn
verzeichneten US-amerikanische Verkaufsportale plötzlich 20 Prozent mehr
Suchanfragen für Elektrovehikel, gar 100 Prozent mehr für die beliebtesten
Automodelle.
Mit anderen Worten: In Zeiten mit Donald Trump als Präsident der USA
schützen die erneuerbaren Energien auch teilweise gegen seine Launen, sein
allgemeines Chaos und seine Politik des Rechts des Stärkeren
